Oftmals herrscht große Unsicherheit darüber, wie eine Integration von Farbratten durchzuführen ist. Deshalb haben wir einen kleinen Fahrplan mit Tipps zusammengestellt. Hier geht es zu den einzelnen Abschnitten:
Die Integration – Der neutrale Bereich
Die zu integrierenden Parteien benötigen einen neutralen Bereich, in den sie zusammengesetzt werden. Neutral meint, dass die Ratten diesen Bereich nicht kennen, bisher nicht markiert haben und somit nicht als ihr Revier verstehen. Der Bereich darf sich nicht in dem Zimmer befinden, in dem die Farbratten sonst hausen, da dies keinen neutralen Bereich darstellt. Folgende Faktoren müssen außerdem bei der Wahl des neutralen Integrationsbereichs bedacht werden:
- Als Halter:in muss ein schnelles Eingreifen möglich sein, um streitende Parteien zu trennen.
- Die Absperrung des neutralen Bereichs muss ein Ausbrechen der Farbratten verhindern.
- Der neutrale Bereich muss die richtige Größe haben. Farbratten erkunden i. d. R. zunächst das neue Gebiet. Ist der Bereich sehr groß, nutzen die Farbratten die damit einhergehenden Flucht- und Versteckmöglichkeiten und begegnen sich wohlmöglich nicht. Ein zu kleiner Integrationsbereich kann dazu führen, dass sämtliches Verhalten der Farbratten zum Erliegen kommt, da ihnen bewusst ist, dass keine Fluchtmöglichkeiten bestehen. Durch das “stille Ausharren” versuchen sie Konflikte zu vermeiden.
Was kann als neutraler Bereich dienen?
- Die Badewanne: Diese muss mit einer Decke oder einem Handtuch ausgelegt werden. Allerdings eignet sich die Badewanne nicht für alle Farbratten, da sie oft durch die räumlichen Gegebenheiten angsteinflößend wirkt. Zudem können viele Farbratten ohne große Anstrengung aus der Badewanne springen, da die Höhe der Badewanne gerade bei springfreudigen Tieren nicht ausreichend ist.
- Absperrung mit Songmics Platten: Mithilfe von Songmics Platten kann der Integrationsbereich größen- und höhenmäßig flexibel variiert werden. Sie sind schnell auf- und abgebaut. Allerdings sollte bedacht werden, dass sehr nagefreudige Farbratten ein leichtes Spiel haben, da Songmics Platten aus Kunststoff bestehen. Eine Lösung hierfür ist, für die unteren beiden Reihen Songmics Platten zu verwenden, die aus Metallgitter bestehen. Für die darauffolgenden Reihen können wieder Plastikelemente verwendet werden. So können sich die Farbratten in den unteren Reihen nicht durchnagen. Gleichzeitig können sie durch die glatten Plastikelemente in den oberen Reihen nicht über die Absperrung springen. Voraussetzung ist natürlich, dass das Konstrukt entsprechend hoch ist. Wir empfehlen circa ein Meter Höhe. Auch hier muss der Integrationsbereich mit einer Decke oder Handtüchern ausgelegt werden.
- Absperrung mittels Klappauslauf: Um einen Klappauslauf zu konstruieren, eignen sich MDF-Platten, welche mit Klavierband oder Scharnieren verbunden werden. Den Auslauf könnt ihr nach der Integration wieder zusammenklappen und beiseitestellen. Natürlich sollte auch hier auf eine ausreichende Höhe der MDF-Platten geachtet sowie der Bereich mit Decken oder Handtüchern ausgelegt werden.
Die Integration – Das sichere Eingreifen
Es ist recht wahrscheinlich, dass du an irgendeinem Punkt der Integration eingreifen musst. Bitte geh niemals mit der nackten Hand dazwischen! Wir empfehlen, eine Songmics Platte oder etwas ähnliches bereitzulegen, um diese im Falle eines Kampfes vorsichtig zwischen die streitenden Parteien zu schieben und sie dadurch zu trennen. Ebenso raten wir als zusätzliche Vorsichtsmaßnahme zu schnittschutz-hemmenden Handschuhen oder Kettenhandschuhen. Diese können online oder im Handel erworben werden. All dies sind wichtige Vorkehrungen, um Bissverletzungen zu vermeiden. Diese können nämlich sehr schmerzhaft sein und zum Teil böse ausgehen (da sprechen wir leider aus eigener Erfahrung).
Die Integration – Das Vorgehen
Habt ihr alle notwendigen Vorkehrungen getroffen, kann die Integration starten. Im Folgenden möchten wir euch das Vorgehen bei der Integration schildern. Wichtig ist dabei, dass die zu integrierenden Parteien nicht dauerhaft im Integrationsauslauf bleiben, sondern lediglich täglich für einen gewissen Zeitraum zusammengesetzt werden. Dieses Zeitfenster wird bei passendem Verhalten langsam gesteigert. Weiterhin ist zu beachten, dass ihr dauerhaft einen Blick auf die Integration habt, um eingreifen zu können. Plant also ausreichend Zeit ein.
Der erste Schritt
Ihr beginnt die Integration, indem ihr alle zu integrierenden Parteien in den neutralen Auslauf setzt. Dabei darf sich nichts in Auslauf befinden (keine Einrichtung, kein Futter, kein Wasser). Das erste Zusammentreffen sollte maximal 5 Minuten dauern. Gibt es schon vor Ablauf der 5 Minuten Streitereien, werden die Farbratten wieder getrennt. Dieses Vorgehen wiederholt ihr nun jeden Tag 1x. Nach einigen Tagen könnt ihr beginnen, die Zeit langsam zu steigern. Voraussetzung hierfür ist, dass es keine starken Auseinandersetzungen zwischen den Farbratten gibt. Wenn ihr diese beobachtet, werden die Parteien immer sofort getrennt.
Generell gilt: Geduld ist wichtig. Bitte steigert die Zeit nicht voreilig. Lieber integriert ihr etwas länger. Oftmals haben Rattenhalter:innen nicht die Kenntnis, die Körpersprache der Farbratten richtig zu lesen, sodass es zu vorschnellen Handlungen kommt. Verhaltensweisen werden missinterpretiert und die Integration fälschlicherweise zu schnell durchgeführt. Dies hat nicht selten zur Folge, dass die Integration nicht funktioniert oder sogar gänzlich scheitert.
Der zweite Schritt
Befinden sich die zu integrierenden Parteien ohne größere Vorkommnisse mindestens eine halbe Stunde im Integrationsauslauf, kann Wasser und Futter dazu gestellt werden. Bei jeder Veränderung, die vorgenommen wird, kann sich neues Konfliktpotenzial bilden. Wie bei jedem Schritt ist es extrem wichtig, das Verhalten der Tiere genau zu beobachten und ggf. einzugreifen.
Der dritte Schritt
Zeigen die zu integrierenden Parteien über ein bis zwei Stunden keine Streitereien, kann ein der Rudelgröße entsprechendes Häuschen mit zwei Ausgängen in den Integrationsauslauf gestellt werden. Zwei Ausgänge ermöglichen, dass die Tiere bei entstehenden Auseinandersetzungen flüchten oder diesen aus dem Weg gehen können. Verhalten sich die Farbratten auch hier unproblematisch, können Schritt für Schritt weitere Einrichtungsgegenstände hinzugefügt werden. All diese Gegenstände sollten später auch mit in den Käfig ziehen.
Alle Einrichtungsgegenstände, die ihr in den Integrationsauslauf stellt, müssen vorab gründlich gereinigt werden, um die Gerüche der einzelnen Rudel zu beseitigen.
Der vierte Schritt
Wenn die Farbratten drei Stunden gemeinsam ohne schwere Vorkommnisse im Integrationsbereich verbracht haben, kann der Integrationsauslauf in den gewöhnlichen Auslauf verlagert werden. Hierbei sollten die Einrichtungsgegenstände, die bereits im Integrationsauslauf angeboten wurden, mit in den gewöhnlichen Auslauf ziehen. Es dürfen sich keine anderen Einrichtungsgegenstände im Auslauf befinden. Zudem sollte der gewöhnliche Auslauf vorab gründlich geputzt werden, sodass keine Gerüche der vorherigen Rudel vorhanden sind. Die Farbratten sollten nun ihren täglichen Auslauf gemeinsam in dem später vorgesehenen Auslaufbereich verbringen.
Der fünfte Schritt
Läuft auch der vierte Schritt problemlos ab, können die Farbratten in den gemeinsamen Käfig ziehen. Hierfür muss der Käfig zunächst gründlich geputzt werden, um die Gerüche des vorherigen Rudels so gut wie möglich zu entfernen. Jene Einrichtungsgegenstände, die bereits bei der Integration von der Gruppe markiert wurden, ziehen nun mit in den Käfig. Der Käfig wird zunächst nicht vollständig freigegeben. Im besten Fall kann der Käfig abgetrennt werden, sodass erst einmal ein Modul des Käfigs für die Farbratten bereitsteht. Die nächsten Tage öffnet ihr dann schrittweise den Käfig, bis er den Farbratten vollständig zur Verfügung steht. Der Bereich, der den Farbratten anfänglich zugänglich ist, sollte natürlich der Rudelgröße angepasst werden. Bei größeren Rudeln muss bereits am Anfang ein größerer Teil des Käfigs zur Verfügung stehen, um ausreichend Platz zu gewährleisten.
Die Integration – Tipps und Tricks
Revierkämpfe
Generell ist es üblich, dass es in der Integration zu Rangeleien kommt. Unserer Erfahrung nach gilt: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Bahnt sich ein Streit an, sollte man besser sofort mit einer Songmics-Platte o.ä. vorsichtig dazwischengehen, sodass es gar nicht erst zu einem Kampf kommen kann. Wir halten nichts von der Ansicht, dass Streitereien ein Muss sind, weil die Rangordnung so ausgefochten wird. Oftmals schaukeln sich die Parteien nämlich weiter hoch und lassen nicht voneinander ab, sobald sie sich in den Haaren haben. Deshalb halten wir ein regulierendes Eingreifen für sinnvoller. Zudem beugt man so Verletzungen vor. Bisse, Pelzrisse oder Schlimmeres geschehen nämlich sehr schnell.
Größenverhältnisse
Wir sind auch der Ansicht, dass durchaus die Größenverhältnisse der einzelnen Farbratten bei der Integration beachtet werden müssen. Haben die zu integrierenden Farbratten sehr unterschiedliche Gewichtsklassen und Größen können unterschiedliche Kraftverhältnisse vorherrschen. Deshalb sollte man vorab überlegen, ob die Integration mit diesen Parteien sinnvoll ist. Wenn ja, ist auch hier ein regulierendes und frühzeitiges Eingreifen unabdingbar! Eine kleinere Farbratte hat einer deutlich größeren, schwereren Farbratte meist kräftemäßig deutlich weniger entgegenzusetzen. Ein Kampf oder Biss kann fatale Folgen haben. Schwere Konflikte sollten somit gerade zu Beginn der Integration, wenn man selbst die Dynamik und Charaktere der Farbratten noch nicht so gut einschätzen kann, unterbunden werden.
Größe des Integrationsbereichs
Man kann die Größe des Integrationsauslaufs variieren, um gewisse Verhaltensweisen zu unterstützen oder zu vermeiden. Verharren die Farbratten nur an Ort und Stelle, kann es sinnvoll sein, den Integrationsauslauf etwas zu vergrößern. Gehen sich die Farbratten aus dem Weg, weil zu viel Platz im Integrationsauslauf angeboten wird, kann eine Verkleinerung des Bereichs sinnvoll sein. Prinzipiell müssen solche Maßnahmen immer situativ betrachtet und entschieden werden. Wenn ihr unsicher seid, holt erfahrene Pflegestellen ins Boot. Diese können euch meist ausgiebig beraten und individuelle Ratschläge geben.
Stresshaufen
Liegen die Farbratten allesamt in einer Ecke eng beieinander oder sogar aufeinander, wird dies fälschlicherweise oft als Kuscheln interpretiert. Allerdings handelt es sich meist dabei im Rahmen von Integrationen um sog. “Stresshaufen”. Das Verhalten kommt nicht aufgrund von Entspannung zustande, sondern, weil die Tiere gestresst sind. In diesem Fall sollte also nicht sofort der nächste Integrationsschritt eingeleitet werden, sondern die Integration etwas entschleunigt werden.
