Die tiergerechte Haltung von Farbratten wird leider oftmals immer noch unterschätzt. Allerdings ist die tiergerechte Haltung und Versorgung von Farbratten durchaus sehr anspruchsvoll. Deshalb möchten wir im Folgenden über die Grundlagen der tiergerechten Haltung von Farbratten aufklären. Ebenso findet ihr Tipps und Anmerkungen, die auf unserer persönlichen Erfahrung beruhen. Hier geht es zu den einzelnen Abschnitten einer tiergerechten Farbrattenhaltung.
- Farbratten sind Rudeltiere
- Die richtige Abgabestelle
- Der richtige Käfig
- Die passende Einrichtung
- Der tägliche Auslauf
- Die Ernährung
- Die regelmäßige Käfigreinigung
- Haltung ohne Käfig
Tiergerechte Haltung von Farbratten: Farbratten sind Rudeltiere
Um eine tiergerechte Haltung zu gewährleisten, müssen Farbratten in einem Rudel gehalten werden. Farbratten sind Rudeltiere und weisen ein hoch entwickeltes Sozialsystem auf (Schleich 2001). Sie leben in Gruppenverbänden und suchen bei der Aufnahme von Nahrung die Nähe ihrer Artgenossen (Seffer 2015).
Es existieren auch Studien darüber, dass Einzelhaltung zu Isolationsstress führt, welcher körperliche und psychische Veränderungen nach sich zieht (Schleich 2001). Ferner konnte im Rahmen von Studien beobachtet werden, dass isoliert gehaltene Ratten ängstlicher sind, ein geringeres Körpergewicht und eine niedrigere Lebenserwartung aufweisen (Schleich 2001). Ebenso konnte verringerte soziale Aktivität sowie erhöhtes Aggressionsverhalten beobachtet werden (Seffer 2015).
Die momentan gängige Meinung ist, dass ein Rudel ab vier Farbratten beginnt. Allerdings kann sich erst bei einer größeren Anzahl an Tieren eine richtige Rudelstruktur ausbilden. Wir empfehlen bei Rudelneugründung sowie langfristig allerdings mindestens vier, besser fünf Tiere. Der Grund ist sehr simpel: Sollte ein Rudelmitglied versterben, besteht trotzdem immer noch ein intaktes Rudel, sodass man sich in aller Ruhe nach neuen Rudelmitgliedern umschauen und zudem die bevorstehende Integration mit aller Sorgfalt durchführen kann. Ebenso bildet sich unserer Erfahrung nach bei einem Rudel von vier bis fünf Farbratten erst eine wirkliche Rudeldynamik aus.
Umso wichtiger ist es deshalb, rechtzeitig ein neues Zuhause für verbliebene Farbratten zu suchen, wenn man die Haltung langfristig aufgeben möchte. Oftmals bieten Pflegestellen, von denen man die Farbratten ursprünglich bezogen hat, an, verbleibende Tiere wieder zurückzunehmen. Ebenfalls gibt es zahlreiche Vermittlungsgruppen auf Facebook, in denen man nach einem geeigneten Zuhause mit Rudelmitgliedern suchen kann. Besonders wichtig ist es, die Tiere nicht lediglich auf Vertrauensbasis in neue Hände zu geben. Wir empfehlen bei Privatpersonen immer einen Schutzvertrag und eine gründliche Prüfung des neuen Zuhauses.
Tiergerechte Haltung von Farbratten: Die richtige Abgabestelle
Zunächst einmal muss betont werden, dass Zoohandlungen und Vermehrer:innen keine seriöse Quelle darstellen, um Farbratten zu beziehen. Hier steht der Profit und nicht das Tierwohl im Vordergrund. Weiterhin ist anzumerken, dass die Begriffe Züchter:in und Pflegestelle nicht geschützt sind. Jede Person kann sich so bezeichnen. Wie erkennt man also eine seriöse Abgabestelle?
Die Tiere wurden auf Endo- und Ektoparasiten getestet und bei positivem Befund entsprechend behandelt. Eine seriöse Abgabestelle hat kein Problem damit, euch Befunde zu zeigen und die jeweiligen Testungs- und Behandlungsmethoden mitzuteilen. Die Haltung der potentiellen Adoptant:innen wird kontrolliert, beispielsweise durch Bilder, Videoanrufe oder einen Besuch des neuen Zuhauses. Die Vermittlung erfolgt mit Schutzvertrag und Schutzgebühr. Sowohl vor als auch nach der Adoption steht euch die Abgabestelle beratend zur Seite. Die Tiere sind gesund und werden bei Auffälligkeiten unverzüglich von der Abgabestelle tierärztlich untersucht. Eine Rücknahme oder Vermittlungshilfe seitens der Abgabestelle ist möglich, falls die Haltung beendet werden soll oder andere Probleme auftreten.
An dieser Stelle möchten wir zudem dafür plädieren, Farbratten aus Pflegestellen oder Tierheimen zu adoptieren. Unserer Ansicht nach ist es ethisch nicht vertretbar, weiteren Nachwuchs zu produzieren, während zahlreiche Tiere in Tierheimen oder Pflegstellen ein Zuhause suchen.
Tiergerechte Haltung von Farbratten: Der richtige Käfig
Das Domizil der Farbratten muss mindestens eine Grundfläche von 0,5 qm haben. Dabei darf die Länge nicht unter 80 cm und die Breite nicht unter 50 cm liegen. Unter Einhaltung der genannten Bedingung können die Seitenmaße auch variieren, insofern die Mindestgrundfläche weiterhin gegeben ist. Die Mindestmaße beziehen sich immer auf die Innenmaße des Käfigs, da diese kleiner als die Außenmaße ausfallen. Ein ebenfalls wichtiges Kriterium ist sog. Lauffläche. Die Lauffläche zählt alle verbauten Volletagen zusammen (halbe Etagen bzw. kleine Etagen zum Klettern werden hier nicht mit dazu gerechnet). Für vier bis fünf Farbratten sollte der Käfig somit mindestens eine Lauffläche von 1,8 qm bis 2,0 qm aufweisen. Für sechs bis acht Ratten sollte die Lauffläche mindestens 2,3 qm bis 2,7 qm, für neun bis fünfzehn Farbratten mindestens 2,9 bis 3,9 qm betragen. Wir beziehen uns dabei auf die Angaben des VdRD e.V. (Stand 29.01.2026). Auf das Thema Volletagen gehen wir in einem späteren Abschnitt nochmal genauer ein.
Die Höhe des Käfigs orientiert sich somit an der vorhandenen Grund- und Lauffläche und kann variieren.
Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich hierbei lediglich um Mindestmaße handelt. Unserer Erfahrung nach sind Farbratten sehr bewegungsfreudige Tiere, die gerade auch viel Fläche am Stück benötigen, um ihrem Bewegungsdrang nachzukommen. Im direkten Vergleich zu einem tiergerechten Rattenkäfig mit Auslauf und unseren jetzigen Gehegen konnten wir deutlich feststellen, dass die Farbratten aktiver sind und den gesamten Platz voll nutzen. Wir möchten deshalb dazu ermutigen, über das Mindestmaß hinaus zu denken und den Farbratten so viel Platz wie möglich anzubieten.
Geeignete Käfigmodelle sind beispielsweise die Savic Suite Royal 95, die Savic Suite XL, der Maximus oder die Darwin Voliere (Aufzählung nicht abschließend!). Die meisten dieser Modelle können mit einigen Sicherheitsvorkehrungen und baulichen Veränderungen auch aneinander oder übereinander gebaut werden, um die Grund- und Lauffläche des Käfigs zu erhöhen. Möchte man handwerklich selbst aktiv werden, besteht zudem die Option eines Selbstbaus. Unbeschichtete Holzelemente können mit ungiftigen Spielzeuglack (DIN EN71/3) behandelt werden, um eine angemessene Reinigung des Käfigs zu gewährleisten.
Wie bereits erwähnt, muss der Käfig zusätzliche Volletagen enthalten, um auf die notwendige Lauffläche zu kommen. Bei den meisten Käfigmodellen müssen diese nachgerüstet werden. Als Material empfehlen wir sogenannte Siebdruck- bzw. Fahrzeugplatten. Durch ihre Beschichtung ist eine ordentliche Reinigung problemlos möglich. Sie können in jedem Baumarkt erworben und vor Ort passend zugeschnitten werden. Die Volletagen sollten so verbaut werden, dass die Fallhöhe von 50cm nicht überschritten wird.
Zudem sollte für den Käfig ein Standort ausgewählt werden, bei dem keine Zugluft, Kälte oder extreme Hitze vorherrscht. Farbratten können nicht draußen gehalten werden. Sie dürfen nur im geschützten Wohnraum leben. Übrigens: Farbratten sind neophob. Dies bedeutet, dass sie vor neuen, ungewohnten Umgebungen Angst haben. Natürlich mag es auch Charaktere geben, die mutig und wenig ängstlich wirken. Trotzdem sollte ein Umgebungswechsel generell vermieden und nur in Ausnahmesituationen vorgenommen werden.
Tiergerechte Haltung von Farbratten: Die passende Einrichtung
Um die Flächen der Käfige zu schützen, haben sich verschiedene Möglichkeiten etabliert. Die erste Variante ist die Nutzung von Zeitungspapier. Hiermit können alle Etagen ausgelegt werden. Farbratten zerreißen die Zeitung gerne und nutzen sie oft als Nistmaterial. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Etagen mit Teppichen, Handtüchern oder Fleecedecken auszulegen. Außerdem können Etagen, insofern sie eine entsprechende Umrandung aufweisen, mit Plosplan XL- oder Allspan classic-Einstreu bedeckt werden. Hierbei handelt es sich um eine staubfreie Einstreu. Handelsübliche Einstreu eignet sich nicht für Farbratten, da sie stark stauben und somit sehr schnell zu Atemwegsproblemen führen. Als Einrichtungsgegenstände eignen sich sowohl Plastik- als auch Holzhäuser. Letztere dürfen keine herausstehenden Nägel, Klammern o.ä. enthalten, damit sich die Farbratten nicht verletzen.
Auch Weidenbrücken, Weinreben, Röhren, Pappkartons oder ausreichend große Keramikhäuser werden gerne angenommen. Viele Rattenhalter:innen verwenden sogenannte Sputniks oder Iglus. Pro Farbratte sollte mindestens ein Rückzugsort im Käfig bereitstehen, sodass sich alle Tiere nach Bedarf einzeln zurückziehen können.
Als Klettermöglichkeiten eignet sich beispielsweise ein Zusammenspiel aus Korkröhren, Weinreben und Weidenbrücken in den verschiedensten Größen und Formen. Im Käfig selbst können viele Kletterelemente am Käfiggitter angebracht werden. Bitte achtet trotzdem immer darauf, dass die Lauffläche eingehalten wird und die Fallhöhe nicht über 50cm beträgt.
Farbratten lieben kuschelige Hängematten. Diese können selbst genäht oder gekauft werden. Ebenso können Fleecedecken zurechtgeschnitten und als Hängematten verwendet werden.
Sprossenleitern müssen mit Stoff überzogen werden, um das Verletzungsrisiko zu verringern. Hierfür eignen sich ebenfalls zurechtgeschnittene Fleecedecken, große Socken oder genähte Leiterbezüge.
Außerdem sollten Buddelkisten nicht fehlen. Hierfür kann eine Plastikkiste verwendet werden. Viele Farbratten haben das Bedürfnis zu buddeln und nutzen solche Kisten sehr gerne. Buddelkisten können mit Kokosfaserhumus, Hanfstreu oder staubfreier Einstreu befüllt werden. Unserer Erfahrung nach kommt Kokosfaserhumus am besten an, da dieser dem Buddelbedürfnis der Farbratten am meisten gerecht wird.
Laufräder sind für Farbratten nicht geeignet! Der Schwanz von Farbratten stellt eine Verlängerung der Wirbelsäule dar. Die Wirbelsäule wird in handelsüblichen Laufrädern somit gebogen, was zu einer dauerhaften und auch schmerzhaften Schädigung der Wirbelsäule führen kann. Damit ein Laufen mit einer geraden Haltung möglich ist, müsste das Laufrad mindestens einen Durchmesser von 100cm besitzen. Auch Laufteller bieten kein gerade Haltung und sind somit nicht geeignet.
Ebenso nicht geeignet sind Sandbäder. Farbratten benötigen diese nicht zur Fellpflege. Sandbäder reizen die empfindlichen Atemwege der Farbratten und können auch zu Atemwegsproblemen führen.
Tiergerechte Haltung von Farbratten: Der tägliche Auslauf
Farbratten haben einen hohen Bewegungsdrang. Der tägliche Auslauf ist demnach unabdingbar. Zeitlich sollten hierfür täglich mehrere Stunden eingeplant werden. Die Einrichtung im Auslauf kann gerne variieren, sodass Abwechslung besteht. Auch der Auslauf sollte mit Fleecedecken oder Teppichen ausgelegt werden, falls der Boden sonst zu kalt ist.
Insofern der Auslauf unmittelbar an den Käfig angrenzt, muss ein Kletterschutz angebracht werden. Dieser verhindert, dass die Farbratten den Käfig hochklettern und abstürzen. Leider werden oft immer noch die Gefahren eines Absturzes unterschätzt. Die Tiere können dauerhafte Beeinträchtigungen wie Querschnittslähmungen davontragen oder sogar sterben. Möchte man weitere Klettermöglichkeiten im Auslauf installieren, ist deshalb auch unbedingt darauf zu achten, eine Fallhöhe von 50 cm nicht zu überschreiten. Klettermöglichkeiten können im Auslauf ebenfalls durch eine Kombination aus Unterständen/ Podesten, Weinreben, Korkröhren und Weidenbrücken in verschiedenen Formen und Größen umgesetzt werden. Auch selbstgebaute „Kletterbäume“ aus verschiedenen Podesten, breiten Hängebrücken, dicken Ästen o.ä. können unter Einhaltung der Fallhöhe eine gelungene Abwechslung darstellen.
Als Absperrung des Auslaufs eignen sich verschiedene Varianten. Viele Rattenhalter:innen nutzen ein Stecksystem aus Songmics-Platten. Hiervon gibt es sowohl Gitterelemente aus Metall als auch durchgängige Plastikelemente. Unserer Erfahrung nach hat sich in der Praxis eine Mischung aus beiden Arten etabliert: Die unterste Reihe bilden die Metallelemente. Darüber liegende Elemente sollten aus Plastik sein. Der Grund hierfür ist, dass die Farbratten so die unterste Ebene nicht durchnagen und gleichzeitig an den oberen Elementen nicht empor klettern können.
Weitere Möglichkeiten stellen dauerhaft feste Konstruktionen aus OSB-Platten sowie flexible Absperrungen aus MDF-Platten, welche mittels Klavierband oder Scharnieren verbunden werden, dar.
Alle Varianten sollten eine Höhe von mindestens einem Meter aufweisen, da Ratten sehr hochspringen können. Steht den Farbratten ein eigenes Zimmer zur Verfügung, müssen alle Gefahrenquellen beseitigt werden. Die Farbratten dürfen keinen Zugang zu giftigen Zimmerpflanzen haben. Weitere Beispiele sind Kabel oder Steckdosen, welche abgedeckt werden müssen.
Ein kleiner Hinweis: Es ist durchaus sinnvoll, die Tapete im Bereich des Auslaufs zu schützen. Haben eure Schützlinge also direkten Zugang zu Wänden mit Tapeten, empfiehlt es sich, diese abzudecken. Farbratten sind Nagetiere. Tapete stellt demnach für Ratten eine sehr attraktive Option dar, ihren Nagedrang auszuleben.
Da viele Farbratten das Bedürfnis haben, zu buddeln, halten wir es zudem für unabdingbar, im Auslauf eine größere Buddelkiste anzubieten. Diese kann mit Kokosfaserhumus, Hanfstreu oder staubfreier Einstreu befüllt werden. Unserer Erfahrung nach kommt Kokosfaserhumus am besten an, da dieser dem Buddelbedürfnis der Farbratten am meisten gerecht wird.
Sowohl im Käfig als auch im Auslauf darf Intelligenzspielzeug angeboten werden, um die Ratten auch kognitiv auszulasten und zu fördern. Hier kann man viele Spielzeuge käuflich erwerben oder auch selbst basteln.
Tiergerechte Haltung von Farbratten: Die Ernährung
Die Hauptnahrungsquelle von Farbratten stellen Sämereien und Getreide dar. Ratten sollten deshalb dauerhaft Zugang zu Körnerfutter und Wasser haben. Handelsübliche Trockenfuttermischungen sind in der Regel ungesund und somit nicht tiergerecht, da sie viele pflanzliche und tierische Nebenerzeugnisse enthalten und/oder einen hohen Fettgehalt aufweisen. Qualitativ hochwertiges Rattenfutter kann man in diversen Onlineshops bestellen.
Ob Wasser in Tränken oder Näpfen angeboten werden sollte, ist tatsächlich immer noch ein strittiges Thema. Wir persönlich bieten mittlerweile nur noch in Ausnahmefällen Wassertränken an und empfehlen die Darreichung in Näpfen. Warum möchten wir euch im Folgenden erläutern: Bei klassischen Nippeltränken ist oftmals die Hygiene ein großes Problem, da diese schwer zu reinigen sind. Ebenso besteht die Gefahr, dass die Tiere keine aufrechte Trinkposition einnehmen. Aus diesem Grund sollten Wassernäpfe immer bevorzugt werden. Allerdings gibt es Farbratten, die sehr gerne auf und in Wassernäpfe Nistmaterial legen, sodass nach kurzer Zeit kein Wasser mehr vorhanden ist. In solchen Ausnahmefällen kann tatsächlich eine Wassertränke Abhilfe schaffen, es sollten aber trotzdem weiterhin Wassernäpfe zur Verfügung stehen. Unserer Erfahrung nach sollte auf Nippeltränken aus weichem Plastik gänzlich verzichtet werden. Wenn auf Wassertränken zurückgegriffen werden muss, eignen sich Glastränken, da diese auch abgekocht werden können. Eine gründliche Reinigung mit einer schmalen Bürste sowie das regelmäßige Abkochen der Glasflaschen ist dabei unerlässlich. Eine weitere Alternative stellen Delta Nagertränken von Heuser da. Diese haben keine klassische Kugel (sie sind somit auch geräuschlos) und sind robuster als normale Nippeltränken, jedoch halten sie bezüglich einer intensiven Reinigung nicht so viel aus, wie Glastränken. Wenn es also keinen Weg um eine Wassertränke gibt, ist es besonders wichtig, die Flasche so anzubringen, dass eine aufrechte Trinkposition möglich ist. Wir möchten aber nochmals an dieser Stelle betonen: die Darreichung des Wassers im Napf ist natürlicher und somit die bessere Variante. Selbstverständlich müssen auch Wassernäpfe regelmäßig gereinigt und das Wasser jeden Tag ausgetauscht werden.
Ebenso benötigen Ratten mehrmals die Woche Frischfutter. Dabei sollte der Gemüseanteil höher als der Obstanteil liegen. Möchte man blähende Gemüsesorten anbieten, sollten diese langsam angefüttert und prinzipiell nur in kleinen Mengen dargereicht werden. Gewürzte, salz- und zuckerhaltige Speisen sowie getrocknetes Brot gehören ebenfalls nicht auf den Speiseplan. Neben Sämereien und Getreide benötigen Farbratten ebenso kleine Mengen tierische Eiweiße.
Tiergerechte Haltung von Farbratten: Die regelmäßige Käfigreinigung
Einmal wöchentlich sollte der Käfig vollständig gereinigt werden. Dies beinhaltet auch die Reinigung der Käfigeinrichtung, den Austausch des Nistmaterials, der Auslagen der Ebenen sowie der Kuschelsachen. Prinzipiell gilt bei der gesamten Einrichtung, einen simplen Geruchs- und Sehtest vorzunehmen: Riecht es nach Urin oder sind Verschmutzungen zu sehen, sollten die angebotenen Materialien gereinigt bzw. ausgetauscht werden. Ein starker Uringeruch ist nicht förderlich. Schließlich wird auch bei der Konstruktion des Käfigs durch eine ausreichende Belüftung darauf geachtet, dass sich der im Urin enthaltende Ammoniak nirgendwo vermehrt ansammeln kann. Somit gilt: regelmäßiges Putzen ist wichtig und sinnvoll, es sollte aber keinesfalls mit scharfen Reinigern hantiert werden, da der Geruch vom Rudel im Käfig weiterhin vorhanden bleiben sollte. Die Reinigung mit normalen, lauwarmen Wasser ist vollkommen ausreichend. Besonders hochfrequent genutzte Stellen sollten, wie beispielsweise Futter- oder beliebte Schlafplätze, zudem täglich kontrolliert und nach Bedarf gesäubert werden. Auch die Nagertoiletten müssen gegebenenfalls öfter gereinigt werden, wenn diese viel in Benutzung sind.
Beim Waschen von Hängematten, Fleecedecken und Teppichen empfiehlt es sich, diese in ein Wäschenetz oder einen alten Kissenbezug zu packen, um die Funktionsfähigkeit der Waschmaschine vor Futter- und Streuresten zu schützen.
Tiergerechte Haltung von Farbratten: Haltung ohne Käfig
In diesem Abschnitt möchten wir genauer darauf eingehen, ob eine tiergerechte Haltung von Farbratten auch ohne Käfig möglich ist. Dieser Abschnitt beruht demnach auf unseren persönlichen Erfahrungen, da wir uns in der Vergangenheit bewusst dazu entschieden haben, die Hauptgehege unserer Farbratten ohne Käfige und ebenerdig zu gestalten. Kurz gesagt: Eine Haltung ohne Käfig ist prinzipiell mit gewissen baulichen Vorkehrungen problemlos möglich. Wenn du einen Eindruck von unseren Gehegen erhalten möchtest, schaue dir hier gerne unsere Rattenresidenzen an.
Aber zunächst möchten wir die Frage klären, warum wir in unseren Hauptgehegen auf Käfige verzichten. Ein großer Punkt ist, dass somit eine deutlich größere Lauffläche am Stück ermöglicht wird, die im Käfig so in der Regel nicht umsetzbar ist. Wir haben immer wieder den Eindruck, dass das Thema Lauffläche bei Farbratten stark unterschätzt wird. Natürlich bietet ein ausreichend großer Auslauf Lauffläche am Stück, in vielen Fällen ist dieser aber nicht rund um die Uhr zugänglich. Ebenso kann ein Käfig für Farbratten im gehobenen Alter oder für Farbratten mit Behinderungen schwierig sein, da dieser nie ganz barrierefrei gestaltet werden kann. Unabhängig davon möchten wir mit unserer Haltung auch Menschen dazu inspirieren, größer zu denken. Denn oftmals wird immer noch verkannt, dass auch Nagetiere enorm viel Platz benötigen, um ihrem Bewegungsdrang nachzugehen.
Wie bereits eingangs erwähnt, findet man in unseren Hauptgehegen keine Käfige mehr vor. Um dies zu realisieren, haben wir ganze Zimmer bzw. Teile von Zimmern abgetrennt. Die Abtrennung der Gehege haben wir mit beschichteten Spanplatten vorgenommen und eine Eingangstür installiert. Diese Tür sollte erst weiter oben beginnen, sodass die Farbratten beim Öffnen der Tür nicht sofort aus dem Gehege rennen bzw. springen können. Unsere Türen sind auf einer Höhe von 40cm angesetzt. Die Umrandung der Gehege ist zwischen 1 – 1,20m hoch, damit die Farbratten nicht aus dem Gehege springen können.
Der Bodenbelag sollte wasserbeständig sowie gut zu reinigen sein. Ebenso sollte er wenig Angriffsfläche zum Nagen bieten. Auch die Wände sollten geschützt werden. Unser Wandschutz variiert je nach Gehege zwischen 50 bis 70 cm Höhe. Auch hierfür können beschichtete Spahnplatten verwendet werden, welche an der Wand befestigt werden. Des Weiteren muss darauf geachtet werden, dass Gefahrenquellen, wie beispielsweise Steckdosen, abgesichert werden müssen. Sollte im Zimmer ein Heizkörper vorhanden sein, sollte auch darauf geachtet werden, ob die Farbratten an einer Stelle des Heizkörpers hochklettern können. Wenn ja, muss auch dieser abgesichert werden. Im Endeffekt gilt, alle Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, die auch in einem Auslauf vorzunehmen sind.
Oftmals wird argumentiert, dass der Käfig ein unabdingbarer Rückzugsort für die Farbratten darstellt. Dem möchten wir widersprechen. Das Gehege sollte natürlich so konzipiert und gestaltet sein, dass die Farbratten hier ihre Ruhe haben. Es versteht sich sicherlich von selbst, dass das Gehege kein Durchgangsort sein sollte, in dem permanent Menschen ein- und ausgehen. Rückzugsorte werden vor allem durch viele Versteckmöglichkeiten, Häuschen, Tunnel, (Kork-)röhren, und andere farbrattengerechte Einrichtungsgegenstände geschaffen. Letztlich können alle Einrichtungsgegenstände, die sich in einem Käfig befinden, auch in einem ebenerdigen Gehege umgesetzt werden. Falls du dich nun fragst, wie das Ganze mit Kuschelsachen und Klettermöglichkeiten funktionieren soll: Um Hängematten, Kuscheltunnel o.ä. aufzuhängen, haben wir einfach kleine Podeste mit Haken gebaut. Klettermöglichkeiten können auch ohne Gitterstäbe geschaffen werden, beispielsweise durch das Zusammenspiel von Ästen, Korkelementen, Röhren, eben genannten Podesten, Weidenbrücken oder Weinreben. Hier ist der Fantasie keine Grenze gesetzt. Auch selbst gebaute Klettermöglichkeiten stellen eine großartige Option dar. Wichtig ist nur, dass auch hier die Fallhöhe von 50 cm keinesfalls überschritten wird.
Nun stellt sich noch die Frage, wie groß so ein ebenerdiges Gehege ohne Käfig denn eigentlich sein sollte. Wir empfinden eine Gehegegröße von mindestens 7 qm für die langfristige Haltung eines kleineren Rattenrudels als unabdingbar. Eine feste Anzahl an Tieren, die in dieser Gehegegröße unterkommen kann, können und möchten wir nicht geben, da dies je nach Charakteren, Bewegungsdrang, Alter und Geschlecht der Farbratten variieren kann. Letztlich gilt auch hier: je größer das Gehege, desto besser.
Selbstverständlich ist uns auch bewusst, dass nicht jemensch die Möglichkeit hat, solche Gehege wie wir umzusetzen. Trotzdem möchten wir das Bewusstsein dafür schaffen, über die Mindestanforderungen hinaus zu denken, Käfige großzügig zu gestalten oder beispielsweise einen Dauerauslauf anzubieten.
Quellen:
Seffer, D. (2015): Soziale Isolation als Risikofaktor für neuropsychiatrische Erkrankungen mit defizitärem Sozialverhalten im Tiermodell, Marburg
